Altmark
Wenn der Apfelkönig durch die Altmark rollt
Aus regionalem Obst wird feiner Saft – seit 13 Jahren sorgt eine mobile Mosterei dafür, dass Äpfel, Birnen und Quitten nicht ungenutzt bleiben.
Ein Beitrag von
Jörg Schulze
Aus regionalem Obst wird feiner Saft – seit 13 Jahren sorgt eine mobile Mosterei dafür, dass Äpfel, Birnen und Quitten nicht ungenutzt bleiben
Apenburg (pi). Der Herbst hat in der Altmark seinen eigenen Geschmack. Dann hängen die Äste voller Äpfel, auf Streuobstwiesen leuchten die Früchte zwischen dem Grün und in so manchem Garten warten wahre Schätze darauf, geerntet zu werden. Viele davon sind alte Sorten, die es längst nicht mehr im Supermarkt zu kaufen gibt.
Doch während sich die einen über eine reiche Ernte freuen, stellt sich für andere jedes Jahr die gleiche Frage: Wohin mit all dem Obst?
Denn längst nicht jeder Apfel schafft es in den Kuchen oder auf den Frühstückstisch. Viel zu häufig fallen die Früchte vom Baum und bleiben liegen.
Für Almut Joswig und Johannes Wolf war das keine zufriedenstellende Lösung. „Äpfel, Birnen oder Quitten sind einfach zu schade, um auf der Wiese zu verrotten oder im Kompost zu landen“, waren sich die beiden einig. Sie wollten eine Möglichkeit schaffen, das heimische Obst sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig einen Beitrag zu einer ökologischen und nachhaltigen Produktion regionaler Lebensmittel zu leisten.
Die zahlreichen Apfelbäume in der Altmark versprechen auch in diesem Jahr eine reiche Ernte
© Apfelkönig Joswig & Wolf GbR
Mit der mobilen Mosterei werden die Früchte direkt beim Kunden verarbeitet.
© Apfelkönig Joswig & Wolf GbR
Die Idee, eine mobile Mosterei zu betreiben, war geboren.
Seit 2014 sind die beiden mit ihrem „Apfelkönig“ in der Altmark unterwegs. Und der Kreis derjenigen, die ihre Ernte mittlerweile lieber zu Saft verarbeiten lassen, wächst stetig.
Das Prinzip ist ebenso einfach wie überzeugend: Das mitgebrachte Obst wird direkt vor Ort verarbeitet. Aus Äpfeln, Birnen oder Quitten entsteht so naturbelassener Saft – und aus der eigenen Ernte ein ganz persönliches Erzeugnis.
Einheitsgeschmack sucht man beim „Apfelkönig“ vergeblich.
„Standardprodukte gibt es in unserer mobilen Mosterei nicht“, betont Almut Joswig. Stattdessen können die Kunden selbst entscheiden, was später im Glas landet. Verschiedene Apfelsorten lassen sich miteinander kombinieren oder mit anderen Früchten verfeinern.
Wer den besonderen Geschmack einzelner Sorten kennenlernen möchte, kann auch sortenreinen Apfelsaft herstellen lassen. Gerade alte, aromatische Apfelsorten können dabei zeigen, was in ihnen steckt.
„Wer hier einmal auf den Geschmack gekommen ist, bleibt dabei“, weiß Joswig.
Allerdings beginnt guter Saft nicht erst in der Mosterei, sondern bereits bei der Ernte. Denn die Qualität des Endprodukts hängt ganz wesentlich von der Qualität des Obstes ab. Nur saubere und einwandfreie Früchte ergeben einen schmackhaften Saft. Verschmutzungen sollten deshalb vorher entfernt und faule Früchte aussortiert werden.
Das Obst sollte außerdem reif, aber noch fest sein. Ein Blick auf die Kerne kann dabei helfen: Sind sie braun, ist der Apfel in der Regel reif. Überreife und mürbe Früchte eignen sich dagegen schlecht für die Verarbeitung. Vor allem weiche Birnen können Probleme bereiten.
Für Almut Joswig und Johannes Wolf steckt hinter ihrer Arbeit allerdings noch eine weitere Idee. Mit der Verarbeitung heimischer Früchte möchten sie dazu beitragen, dass Streuobstwiesen und alte Obstsorten erhalten bleiben. Denn diese Flächen sind nicht nur Lieferanten für leckeren Saft. Sie sind wertvolle Lebensräume und leisten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt.
So wird beim „Apfelkönig“ aus dem, was sonst vielleicht auf der Wiese liegen geblieben wäre, ein regionales Lebensmittel mit Geschichte und ganz persönlichem Geschmack.
Und wenn der eigene Apfelsaft später im Glas funkelt, steckt darin nicht nur die Ernte des eigenen Gartens – sondern ein kleines Stück Altmark.
Nur saubere und einwandfreie Früchte ergeben einen schmackhaften Saft.
© Apfelkönig Joswig & Wolf GbR
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