Halle / Saalekreis
Von bösen Wassergeistern und freundlichen Mönchen
Ein Teufel, der Steine wirft und eine Riesenschlange im Solebrunnen gehören zu den Sagengestalten, die in vielen Geschichten in Halle und im Saalekreis überliefert wurden.
Ein Beitrag von
Nadja Reichert
Sagen und Märchen sind Teil unserer Kultur, bereits von klein auf werden sie uns als „Gute-Nacht-Geschichten“ erzählt. Hier in Deutschland schöpfen wir vor allem aus dem Fundus der Märchensammlung der Brüder Wilhelm und Jacob Grimm. Aber jede Region hat daneben ihre ganz eigenen Sagen und Märchen, wobei viele Figuren in ähnlicher Form immer wieder vorkommen. Zumeist treibt ein oder der Teufel sein Unwesen oder Geister und Kobolde lauern in Wäldern und an Flüssen und sorgen für Ärger. Der Saalekreis hat eine Vielzahl solcher regionalen Sagen zu bieten – aber nicht immer müssen die Hauptfiguren dabei Unruhestifter sein.
Der Mönch vom Petersberg soll im Kloster gelebt haben, in dem heute Brüder und Schwestern der evangelischen Communität Christusbruderschaft leben.
© Andreas Stedtler
Vom Petersberg aus warf der Teufel mit Steinen – auch nach Sennewitz. Einer der sogenannten Teufelssteine liegt heute an der Straße „Am Spittel“.
© Gemeinde Petersberg
Der Mönch vom Petersberg
Auf dem Petersberg wurde im 12. Jahrhundert ein Kloster erbaut, das heute als Stiftskirche Petersberg ein Zentrum für die Versöhnungsgemeinschaft Nagelkreuz von Coventry ist. Seit 1999 leben außerdem Brüder und Schwestern der evangelischen Communität Christusbruderschaft im Kloster. Es finden regelmäßig Gottesdienste statt.
Von diesem Ort geht die Legende eines besonderen Mönchs aus, der über unterirdische Gänge vom Kloster aus in die Gemeinden Krosigk, Löbejün, Wettin, Merbitz und Gutenberg gegangen sein soll, um dort das Vieh der ansässigen Bauern zu pflegen. Als Gegenleistung soll der Mönch nichts anderes als die Freundlichkeit der Bauern verlangt haben. Der Grund für die Wohltätigkeit des Mönchs soll in Scham über das Verhalten seiner Brüder gelegen haben, die wohl immer wieder ausschweifende Zusammenkünfte gefeiert haben sollen, während die Bauern der Gemeinden in Armut lebten. In manchen Fassungen der Sage findet sich der Zusatz, dass Leute angaben, den Mönch im Mondschein auf seinem Lieblingsfohlen reitend auf dem Gipfel des Petersbergs gesehen haben wollen.
Der Teufelsstein zu Sennewitz
Dass der Teufel in vielen Geschichten Frieden und Glück der Menschen stören will und es gar nicht schätzt, wenn es ihnen gut geht, ist vielen bekannt. Während er in vielen Erzählungen unter die Bevölkerung tritt und mit Zwietracht oder gar Krankheiten für Unmut sorgt, soll er es im Saalekreis allerdings noch etwas ärger getrieben haben. Laut einer Sage soll der Teufel einst durch den Landkreis gestreift sein und sich auf dem Petersberg ausgeruht haben. Vor dort oben sah er das Land um die Saale friedlich daliegen, die Menschen gingen unbeschwert ihrer Arbeit nach. Das ärgerte den Teufel so sehr, dass er Felsbrocken nahm und sie vom Berg hinunter auf die Dörfer und Gemeinden warf. Allerdings habe er laut der Erzählung kein Haus getroffen. Nur in Sennewitz hätte es fast geklappt – dort landete der geworfene Stein nämlich nur knapp neben der dortigen Kirche.
In Sennewitz, einem Ortsteil von Petersberg (Saalekreis), kann man den „Beweis“ für diese Sage bis heute noch sehen. Dort liegt neben der östlichen Friedhofsmauer an der Straße „Am Spittel“ ein Stein, der als Menhir kategorisiert wird. Auf der Oberseite des Steins sind zwei Vertiefungen erkennbar, welche de Stellen markieren sollen, in denen der Teufel seine Krallen in den Stein schlug, um ihn zu werfen. Ein Menhir ist eigentlich ein vorgeschichtlicher großer Steinblock, der aufrecht steht. Ein bekannterer Name ist „Hinkelstein“, was wahrscheinlich viele eher an die Geschichten von „Asterix und Obelix“ erinnern dürfte. Der Menhir in Sennewitz steht allerdings nicht aufrecht, sondern liegt am Boden.
Das Relief des Saalaffen befand sich in einem Pfeiler der Hohen Brücke.
© Steffen Kohlert, Original: Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) –
Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt
Der Teufelsstein von Sennewitz ist tatsächlich nur einer von vielen im Saalekreis. Auch Piltitz (zu Gütz gehörend, einem Ortsteil von Landsberg) und Seeben (Stadtteil von Halle Saale) haben solche Menhire, die mit derselben Sage verbunden sind. In Seeben trägt der Menhir auch den Namen „Franzosenstein“, da unter ihm angeblich ein französischer Soldat aus dem Gefecht im Halle (2. Mai 1813) begraben sein soll.
Der Saalaffe
Auch das Bauobjekt dieser Sage ist heute im Stadtbild von Halle nicht mehr vorhanden. Dabei hat es einige Mühe gekostet, es zu errichten. Die Rede ist von der Hohen Brücke, die im Jahr 1172 erbaut wurde, allerdings 1840 abgetragen wurde, um einer neuen Brücke (Elisabethbrücke, 1843) zu weichen. Der Bau der ehemaligen Hohen Brücke, die über den Hauptarm der Saale verlief und mehrere Pfeiler aufwies, soll laut einer der bekanntesten Sagenfiguren der Stadt Halle erheblich erschwert worden sein.
Denn während die Hallenser den Bau der Brücke begrüßten, war ein Geschöpf davon alles andere als begeistert. In der Saale lebte ein bösartiger Wassergeist, der sich durch den Bau der Brücke in seiner Ruhe gestört fühlte. Um sich zu rächen, zerstörte er des nachts die Brückenarbeiten des Tages. Um den bösen Geist zu vertreiben, sollen die Bauleute ein christliches Kreuz nah des Verstecks des Wassergeistes aufgestellt haben. Dieser floh daraufhin ans andere Ufer und soll den Leuten von dort ein garstiges Gesicht mit gefletschten Zähnen gezeigt haben. Dieses Gesicht haben die Bauleute in ein Steilrelief eingearbeitet und in einen der Brückenpfeiler verbaut. In einer anderen Version erstarrte der Wassergeist nach der Verbannung durch das Kreuz aus Wut zu Stein und wurde danach als Relief in den Brückenpfeiler eingemauert. Und genau dieses Relief ist bis heute von der hohen Brücke erhalten geblieben.
Der Basilisk zu Halle
Die Saalestadt Halle hat zahlreiche Sagen. Viele haben etwas mit Bauwerken oder dem Fluss Saale zu tun. Fans der Harry Potter-Bücher kennen die folgende vielleicht sogar ebenfalls. Denn ähnlich wie das Schloss Hogwarts im zweiten Band der Buchserie von einer riesigen Schlange heimgesucht wird, die durch die Rohre in den Wänden der Schule kriecht und Angst und Schrecken verbreitet, hatte auch die Stadt Halle einer Sage mit genauso einem Ungeheuer zu kämpfen. Auch der Name ist gleich: Basilisk. Verewigt wurde diese Riesenschlange im Moritztor, das sich unweit des heutigen Glauchaer Platzes befand. Über dem 1457 erbauten Tor ist ein Marienbild sowie zwei Wappen zu sehen, zwischen ihnen ist eine schlangenähnliche Kreatur eingefasst – der besagte Basilisk.
Die Riesenschlange ist Teil des Tores, da sie laut einer Sage den Salzbrunnen am Tor verstopft haben soll. Auch dieser Basilisk kroch durch Rohre und musste bekämpft werden. In der Sage wurde ein Strohmann in den Brunnen hinabgelassen, der Spiegel bei sich trug. Als der Basilisk den Strohmann anhaute, sah er sein Spiegelbild und soll sich daraufhin mit dem eigenen Gift getötet haben. In Erinnerung an die Tat in dieser Erzählung wurde der Basilisk Teil des Moritztors. Wie die meisten der sechs historischen Stadttore ist allerdings auch das Moritztor heute nicht mehr vorhanden.
Das Relief des „Saalaffen“ kann im Rahmen der Ausstellung „Das Wasserstechen der Halloren“ zu sehen, die 2022 als Freiluft-Ausstellung zum Laternenfest konzipiert wurde. Da das Salinenmuseum Halle derzeit noch grundlegend saniert wird, ist es nur zu Events und Sonderausstellungen zugänglich. „Das Wasserstechen der Halloren“ ist derzeit digital unter verfügbar.