Burgenlandkreis

Zwischen Muschelkalk und Trockenrasen

Zwischen Klosterblick, Weinbergen und steilen Muschelkalkhängen: Bei Zscheiplitz oberhalb von Freyburg liegt ein Naturraum, in dem Trockenrasen, seltene Arten und Ausflugswege dicht beieinanderliegen.

© Geo‑Naturpark „Saale‑Unstrut‑Triasland“ e. V.

Ein Beitrag von
Keven Nau

Sonnige Hänge über der Unstrut, der Blick auf Rebhänge und Flussschleifen, darüber ein Rotmilan im Suchflug: Wer bei Zscheiplitz oberhalb von Freyburg unterwegs ist, merkt schnell, dass hier ein besonderer Abschnitt der Saale‑Unstrut‑Landschaft beginnt. Zwischen Klosteranlage, alten Steinbruchwänden und offenen Trockenrasen liegen Erdgeschichte, Artenvielfalt und Naherholung dicht beieinander.

Die Einschätzungen zum Gebiet stammen von Romy Tausendschön, Projektkoordination im Geo‑Naturpark „Saale‑Unstrut‑Triasland“ e. V. „Das Gebiet ist geprägt von wertvollen Offenlandlebensräumen“, sagt sie. Diese liegen auf Muschelkalkschichten, die bei Zscheiplitz eine Mächtigkeit von etwa hundert Metern erreichen. „Bis in die 1960er Jahre wurde das Gestein abgebaut“, erläutert Tausendschön. Abbaubänke, Abraumhalden und steile Felswände zeugen bis heute davon und wirken wie „Sichtfenster“, die Einblick in die Erdgeschichte geben. Wo früher Maschinen arbeiteten, haben sich spezialisierte Tier‑ und Pflanzenarten angesiedelt.

Kloster Zscheiplitz über den Weinbergen und dem Unstruttal: Kulturgeschichte und Landschaftsblick liegen hier direkt nebeneinander.
© Geo‑Naturpark „Saale‑Unstrut‑Triasland“ e. V.

Ziegen am Trockenhang: Durch gezielte Beweidung bleiben die Kalk‑Trockenrasen offen und artenreich und werden zugleich pfleglich bewirtschaftet.
© Geo‑Naturpark „Saale‑Unstrut‑Triasland“ e. V.

Damit diese Lebensräume ihre Vielfalt behalten, braucht es eine gezielte Nutzung. „Aufgrund von Nutzungsaufgabe, Sukzession und der Fragmentierung von Habitaten sind die Kalk‑Trocken‑ und Halbtrockenrasen verstärkt degradiert“, sagt Romy Tausendschön. Viele Flächen hätten ihr artenreiches Inventar durch Beweidung aufgebaut. „Flächen, deren Arteninventar sich infolge von Beweidung etabliert hat, benötigen die Fortführung dieser Nutzung, um eine zunehmende Verbuschung und den damit einhergehenden Rückgang der Biodiversität zu verhindern.“

Für Besucherinnen und Besucher lässt sich diese Mischung aus Natur und Kultur auf kurzen Wegen erleben. „Wer Zscheiplitz besuchen möchte, sollte sich das Kloster Zscheiplitz, den Schafberg, den historischen Kalkbrennofen sowie den Unstrut‑Radweg nicht entgehen lassen“, empfiehlt Tausendschön. Am Rand der Wege bilden Trockenrasen und Felsfluren ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume.

Zwischen März und September lohnt sich ein genauer Blick auf Mauern und Böschungen. „Mit viel Geduld kann man in dieser Zeit Zauneidechsen und Schlingnattern an den Bruchsteinmauern beobachten oder den Rotmilan sichten, der häufig über dem Gebiet kreist“, erzählt Romy Tausendschön. In den vergangenen Jahren sei außerdem der Wiedehopf wieder heimisch geworden; für ihn wurden spezielle Brutkästen installiert.

Auch Pflanzenfreundinnen und ‑freunde kommen auf ihre Kosten. „Rund um den historischen Kalkbrennofen wachsen zahlreiche Orchideenarten, darunter die Fliegen‑ und Bienen‑Ragwurz, das Purpur‑Knabenkraut, das Große Zweiblatt und die Braunrote Stendelwurz“, berichtet sie. Wer die Orchideenblüte erleben möchte, sollte die Region nach ihrer Empfehlung zwischen April und Juni besuchen.

Die Bedeutung des FFH‑Gebiets reicht für die Saale‑Unstrut‑Region weit über den Hang bei Zscheiplitz hinaus. Als FFH‑Gebiet – Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 – soll dieser Naturraum seltene Lebensräume und Arten dauerhaft sichern. „Es hat eine hohe Bedeutung, da hier eine außergewöhnliche Artenvielfalt gegeben ist, welche zugleich in einem stark frequentierten Erholungsraum naturverträglich erschlossen ist“, fasst Romy Tausendschön zusammen.

Damit das so bleibt, spielt das Verhalten der Gäste eine zentrale Rolle. „Verlassen Sie das Gebiet so, wie Sie Ihr Zuhause gern betreten möchten“, appelliert sie. Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, Müll wieder mitnehmen, keine geschützten Pflanzen pflücken und sich gegenüber Tieren rücksichtsvoll verhalten: Mit diesen einfachen Gesten tragen Besuchende wesentlich zum Erhalt dieses besonderen Naturraums bei.

Blühende Purpur‑Knabenkraut‑Orchidee: Rund um den historischen Kalkbrennofen wächst eine Vielzahl seltener Orchideenarten auf den mageren Standorten.
© Geo‑Naturpark „Saale‑Unstrut‑Triasland“ e. V.

Fauna-Flora-Habitat-Gebiet bei Zscheiplitz

Lage: Hänge oberhalb von Freyburg (Unstrut), rund um Kloster Zscheiplitz und Schafberg

Besonderheiten: Muschelkalkhänge, Trocken- und Halbtrockenrasen, historische Steinbruchspuren, Weinberge

Typische Arten: Rotmilan, Wiedehopf, Zauneidechse, Schlingnatter, Fledermäuse, zahlreiche Orchideen- und Insektenarten

Beste Reisezeit: April bis Juni (Orchideenblüte), September bis Herbst (Weinlese und Laubfärbung)

Unterwegs: Geo-Pfad, Feengrotten-Kyffhäuserweg, Unstrutradweg, Kanu auf der Unstrut