Jerichower Land
Trommelklänge unter der Stadt
Burg und die Sage über geheimnisvolle Gänge
Ein Beitrag von
Hendrik Reppin
Es ist eine der bekanntesten Sagen im Landkreis Jerichower Land. „Der Trommler von Burg“ erzählt die Geschichte von geheimnisvollen unterirdischen Gängen unter der Stadt und vom ungewissen Schicksal eines jungen Mannes, der sich mutig ins Abenteuer stürzte.
Der Sage nach soll sich in einer Schänke in Burg, der Ratsweinschänke in der Mitte der Stadt, viele Male eine fröhliche Gesellschaft getroffen haben, die von ihren Erlebnissen berichteten und mit ihren Taten prahlten. Eines Abends hatte der Wirt etwas besonderes zu berichten. Er erzählte den staunenden Männern am Tisch von unterirdischen Gängen, die in verschiedenen Richtungen unter der Stadt führten. Ein Einstieg zu diesen Katakomben befinde sich im Keller des Hauses. Ungläubig hörten die Stammgäste dem Wirt zu und forderten ihn auf, am nächsten Tag seine Behauptung zu beweisen.
So traf sich tags darauf die Gesellschaft beim Wirt, der ihnen in seinem Keller eine schwere Eichentür öffnete. Ein Mann, der sich bei den nächtlichen Runden in der Schänke mit besonders abenteuerlichen Geschichten hervorgetan hatte, wurde auserwählt, dem unterirdischen Gang zu folgen. „So Dich der Teufel nicht holt, bekommst Du bei Deiner Rückkehr so viel Wein, wie Du haben willst“, soll der Wirt gesagt haben.
Die Skulptur des Trommlers am Breiten Weg in Burg ist ein beliebtes Fotomotiv.
© Hendrik Reppin
Bei den Stadtrundgängen erzählt der „auferstandene“ Trommler nicht nur seine Sage, sondern auch viele weitere Geschichten der Stadt Burg.
© KI-generiert
Ausgestattet mit ein paar Windlichtern und mit einer Trommel wurde der junge Mann in den dunklen Gang geschickt. Den Mut, ihrem Freund zu folgen, hatte wohl niemand. Stattdessen sollen sie ihr Ehrenwort gegeben haben, ihm zu Hilfe zu eilen, wenn seine Trommel verstummen würde. Schon nach kurzer Zeit war nur noch ein leiser Trommelschlag zu hören, bis der Ton schließlich vollends verstummte.
Ihrem Versprechen folgend, sollen die Männer dem Trommler noch nachgelaufen sein, doch der Modergeruch und die drückende Schwüle im Gang ließen die Männer schnell ermatten. In den Windlichtern brannten nur noch kleine Flammen und drohten zu erlöschen. Das Atmen fiel ihnen zunehmend schwerer und nur der Wirt, der die stickige Kellerluft gewöhnt war, soll mit dem Ruf „Rette sich, wer kann, sonst sind wir verloren!“ zur Rückkehr gedrängt haben. Erschöpft und dem Tode nahe schleppten sie sich zur Eichentür im Keller der Weinschänke. Vom Trommler fehlte jedes Lebenszeichen. Auch am folgenden Tag tauchte der Mann nicht wieder auf.
Laut den Erzählungen soll es keinen weiteren Versuch gegeben haben, die Gänge unter der Stadt Burg zu ergründen. Vielleicht schockiert vom traurigen Schicksal des Freundes, vielleicht aus Angst vor den unheimlichen Gängen unter seiner Wirtschaft, mauerte der Wirt schließlich den Eingang zu den Katakomben in seinem Keller zu. Sollten diese Gänge gegeben haben, sind sie sicherlich heute verfallen. Und dennoch sind die Menschen fasziniert von der Vorstellung, dass es geheimnisvolle Gänge unter der Stadt gibt und rätseln über das Schicksal des Trommlers von Burg. Ist der Geist des Trommlers noch immer dort unten gefangen? Hört man in stillen Nächten seine Schläge?
Seit der Landesgartenschau im Jahr 2018 werden von der Tourist Information Burg Stadtführungen angeboten. 2019 gibt es die ersten thematischen Stadtführungen. Seitdem erzählt jedes Jahr auch der „auferstandene“ Trommler von Burg, den Teilnehmern nicht nur die Geschichte mit den finsteren Gängen unter der Stadt, sondern auch andere Sagen und Geschichten der über 1075 Jahre alten Stadt. Die Stadtführung endet dann am Breiten Weg, gegenüber dem Rathaus. Hier steht die Skulptur des Trommlers von Burg, nur knapp 100 Meter von der einstigen Ratsweinschänke entfernt. Die detailreiche Bronzeplastik ist ein beliebtes Fotomotiv, auch wenn es nicht die Originalskulptur ist. Die ursprüngliche Skulptur aus Sandstein mit dem historisch gekleideten Mann und der markanten Trommel steht in den Ausstellungsräumen des Heimatvereins Burg und Umgebung e.V. in der Hainstraße 12, um ihn vor der Witterung zu schützen.
Einen genauen Plan über die anstehenden Führungen und Stadtrundgänge in Burg gibt es im Internet unter www.touristinfo-burg.de.
Unter www.heimatverein-burg.com können sich Interessierte über eine Führung im Haus in der Hainstraße 12 informieren.
Quellen: www.stadtburg.info;
Buch „Sagen aus dem Jerichower Land“ von Markus Kurze