Halle / Saalekreis
Wo Landwirtschaft und Naturschutz zusammenwachsen
Gemüse, Obst und Eier direkt vom Hof, dazu Blühflächen, Obstbäume und mobile Hühnerställe: Seit 2018 verbindet Familie Thielicke im halleschen Ortsteil Osendorf Landwirtschaft mit Naturschutz.
Ein Beitrag von
Keven Nau
Wildbienen schwirren zwischen den Blüten, Hühner ziehen gemächlich über die Weiden und aus den Baumreihen ist Vogelgezwitscher zu hören. Nur wenige Kilometer südlich der halleschen Innenstadt liegt der Biophilja Permakulturhof. Zwischen Gemüsefeldern, Obstgehölzen und Grünland hat Familie Thielicke einen Betrieb aufgebaut, auf dem gesunde Lebensmittel wachsen, zusätzlicher Lebensraum für Tiere entsteht und Besucherinnen und Besucher Natur unmittelbar erleben.
Gegründet wurde der Hof 2018 von René und Sabine Thielicke. Bis Ende 2017 führte René Thielicke ein Ingenieurbüro. Die Arbeit am Computer ließ ihm jedoch kaum die Möglichkeit, selbst etwas gegen die Herausforderungen von Klimawandel, Ernährung und Artenvielfalt zu tun. „Wir wollten als Familie aktiv einen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten“, sagt er. Zugleich wollten die Thielickes ihren Kindern zeigen, wie gesunde Lebensmittel entstehen und welchen Wert ihre Erzeugung hat. Aus dieser Überzeugung entwickelte sich der heutige Familienbetrieb.
Gemüsebeete, Obstbäume und Grünland im Blick: Die Luftaufnahme zeigt die vielfältige Permakultur-Struktur des Biophilja-Hofs in Osendorf.
© Biophilja Permakulturhof
Gemüse, Obst und Eier direkt vom Hof: René und Sabine Thielicke vermarkten ihre Produkte über Hofladen und Abo-Kisten in Halle und Umgebung.
© Biophilja Permakulturhof
Dass der Schritt in die Landwirtschaft führte, kam nicht von ungefähr. Thielicke wuchs auf einem Bauernhof auf und kennt die Arbeit mit Kühen und Futterbau seit seiner Kindheit. Heute prägen Gemüsebau, Obstanbau und Geflügelhaltung den Hof, ergänzt durch Blühflächen und Baumreihen. Mit jeder Saison kamen neue Kulturen hinzu, später folgten Hofladen und Abo-Kisten. „Unser Ansatz ist nicht, möglichst klein zu sein, sondern vielfältig, frisch und über die Direktvermarktung zu produzieren“, erklärt Thielicke. Die Ernte gelangt ohne lange Wege direkt zu den Menschen in Halle und Umgebung. Manches Gemüse wird morgens geerntet und noch am selben Tag verkauft. Viele Kundinnen und Kunden holen ihre Produkte auf dem Hof ab oder erhalten sie regelmäßig über die Abo-Kisten. Der persönliche Austausch gehört für die Familie ebenso zum Alltag wie die Arbeit auf den Feldern.
Die Flächen werden nach den Prinzipien der Permakultur bewirtschaftet. Verschiedene Kulturen wachsen nebeneinander, Bäume und Sträucher gliedern die Felder, und die Hühner wechseln regelmäßig ihre Weiden. So finden Insekten während der gesamten Saison Blüten und Nahrung. Treten Schädlinge auf, folgen nach den Beobachtungen des Hofes meist schon kurze Zeit später ihre natürlichen Gegenspieler. Auf diese Weise stellt sich nach und nach ein biologisches Gleichgewicht ein, das ohne chemische Pflanzenschutzmittel auskommt. Erst vor Kurzem legte die Familie einen kleinen Teich an, der schnell von Fröschen besiedelt wurde und in heißen Sommern vielen Tieren als Rückzugsort dient. „Es ist einfach schön zu sehen, dass hier nicht nur Lebensmittel produziert werden. Es ist eine essbare Klimalandschaft entstanden, die voller Leben ist“, sagt Thielicke.
Wie viele familiengeführte Betriebe bleibt auch der Biophilja Permakulturhof von den Folgen des Klimawandels nicht verschont. Besonders Dürre und Hitze bereiten der Familie Sorgen. „Ja, massiv, eigentlich jeden Tag“, beschreibt Thielicke die Situation. Schon die Trockenheit im Gründungsjahr 2018 und die Hitzewellen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verletzlich die Landwirtschaft geworden ist, gerade auf leichten Böden. Niederschläge fallen ungleichmäßiger, Starkregen wechselt sich mit langen Trockenphasen ab. Dennoch möchte die Familie den eingeschlagenen Weg weitergehen und den Hof behutsam weiterentwickeln, etwa durch zusätzliche Schattenstrukturen, Wasserspeicher und robustere Kulturpflanzen.
Zwischen Gemüsebeeten, Obstbäumen und Hühnerweiden hat sich eine Kulturlandschaft entwickelt, in der regionale Lebensmittel, Artenvielfalt und Direktvermarktung zusammenkommen. Kundinnen und Kunden erhalten hier nicht nur frische Produkte, sondern auch Einblicke in die tägliche Arbeit auf dem Feld. So wird sichtbar, wie Landwirtschaft und Natur voneinander profitieren können und wie eine zukunftsfähige Form des Wirtschaftens konkret aussehen kann.
Zwischen Bäumen und Sträuchern: In den agroforstlich genutzten Flächen verbindet der Hof Geflügelhaltung mit zusätzlichem Lebensraum für Insekten und Vögel.
© Biophilja Permakulturhof
Biophilja Permakulturhof Halle (Saale)
Straße der Bergarbeiter 40
06132 Halle (Saale)
Gegründet: 2018
Angebote: Hofladen, Abo-Kisten, Gemüse, Obst, Eier, Geflügelprodukte, Hofführungen
Besonderheit: Bioland-Betrieb mit Permakultur und Direktvermarktung