Altmark
Mit Herzblut und Hingabe eine Nische erobert
Was mit Liebhaberei für Kürbisgewächse seinen Anfang nahm, stieß bei den Menschen auf Gegenliebe und entwickelte sich somit, wenn auch eher zufällig, zu einem zweiten Standbein des gelernten Landwirts und Agrartechnikers Robert Gühne aus dem altmärkischen Hagenau.
© Kürbishof Hagenau
Ein Beitrag von
Martin Rehberg
Die Sonne scheint, als Robert Gühne an einem August-Morgen pünktlich um 7 Uhr vor das Tor zu seinem Vierseitenhof im verschlafenen 60-Seelen-Dorf Hagenau Mitten in der idyllischen Altmark öffnet und seinen Hofladen aufschließt. Dort, wo einst seine Oma ihre Wohnstube hatte, entstand vor knapp drei Jahren in Eigenarbeit ein großzügiger Verkaufsraum. Bis auf Kartoffelsäcke, Eier, Sonnenblumenkerne und Säcke voll mit Futterweizen sowie Körnermais sind die meisten Regale verwaist. Das liegt natürlich an der Jahreszeit. Die Kürbisse, die dem Hof seinen Namen geben und mit denen 2017 alles anfing, werden erst ab September geerntet. Bevor die rund 100 Sorten in den Regalen und Körben im und vor dem Laden drapiert sind, gibt es für alle Kürbis-Fans als Trost zumindest einen Kühlschrank, der mit Erzeugnissen des Fruchtgemüses gefüllt ist – Suppe und acht verschiedene Marmeladen mit ungewöhnlichen Kombinationen von Kürbis mit beispielsweise Waldmeister, Apfel-Zimt oder Schoko Kokos sind im Angebot.
Robert Gühne inmitten eines seiner Kürbisfelder. Schon zwei Wochen vor dem eigentlichen Erntestart Anfang September haben viele der beliebten Schnitzkürbisse eine enorme Größe.
© Martin Rehberg
An sieben Tagen in der Woche hat der Hofladen im altmärkischen Hagenau von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Zu kaufen gibt es neben 100 verschiedenen Sorten Kürbissen allerhand, aber ausschließlich was auf den Feldern des Landwirts wächst.
© Martin Rehberg
Apropos Angebot. Dieses erweitert sich je nach Erntezeitpunkt auch um Zucchini, Erbsen, die drei Kartoffelsorten Linda, Laura und Belana sowie Heu und Stroh. Nicht zu vergessen die beliebten Zierkürbisse und der Ziermais. Was alle Produkte im Hofladen gemeinsam haben, sie sind aus eigenem Anbau. Nichts ist dazu gekauft und alles wird auf den insgesamt rund 25 Hektar Bewirtschaftungsfläche ohne die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln angebaut. Selbst die angebotenen Eier stammen von freilaufenden Hühnern, die nur selbst angebaute Futtermittel zu picken bekommen.
Doch wie kommt ein mittlerweile 38-jähriger Landwirt überhaupt auf die Idee im Nebenerwerb Kürbisse zu verkaufen? Das hat sich eher zufällig ergeben, wie der zweifache Familienvater erzählt. Aufgewachsen auf dem rund 200 Jahre alten Bauernhof in Hagenau kam Robert Gühne früh mit der Landwirtschaft in Berührung und für ihn war schnell klar, im Gegensatz zu vielen anderen jungen Menschen, in der Region bleiben zu wollen. Eine Ausbildung zum Landwirt machte dies möglich. Mittlerweile ist er staatlich geprüfter Agrartechniker und arbeitet als angestellter Maschinenschlosser.
Der Faible für Kürbisse hat ihn in all der Zeit begleitet. Wurden die dicken Gelben anfangs nur für den Hausgebrauch gepflanzt, wurden es mit der Zeit aber immer mehr. Aus diesem Grund kam die Familie auf die Idee, die Kürbisse versehen mit einer Kasse des Vertrauens einfach vor den Hof zu stellen.
Dies funktionierte schließlich so gut, dass daraus ein Geschäft entstand – wenn auch nur im Nebenerwerb. In altmärkischen Dörfern ist es übrigens kein ungewöhnliches Bild, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem heimischen Garten angefangen bei Kartoffeln, über Zucchinis und Knoblauch bis hin zu Quitten und Honig am Straßenrand angeboten werden.
Bevor es aber soweit ist, liegt eine Menge Arbeit vor Robert Gühne, der dabei aber auf den Rückhalt seiner Familie zählen kann. Während sich der Nachwuchs schon allein um den Ziermais kümmert, ist bei den 100 verschiedenen Kürbissorten – angefangen beim beliebten Schnitzkürbis zu Halloween, über Hokkaido und Butternut bis hin zu exotischen Sorten aus Brasilien oder Japan – das Fachwissen von Papa gefragt. Dieser legt dabei Wert auf eine Fruchtfolge mit Zwischenfrucht, ähnlich einer modernen Dreifelderwirtschaft. Auf den rund 2,2 Hektar großen Anbauflächen sind auch immer wieder Sonnenblumen zu finden. Das hat praktische Gründe, nicht nur, dass die Kerne im Hofladen ebenfalls angeboten werden, locken die Blumen mit ihren strahlend gelben Blüten doch Insekten an. Auf diese sind nämlich auch die Kürbisblüten angewiesen. Ohne Wasser geht im Kürbisanbau natürlich ebenfalls nichts. Durch eine ausgeklügelte Bewässerungsanlage Marke Eigenbau bekommen die Kürbisse genau die Menge, die sie benötigen. Und zwar ganz modern per App gesteuert. Dabei kommt das Wasser aus einer riesigen Zisterne, die das Regenwasser von den fast 2000 Quadratmeter großen Dachflächen des Vierseitenhofes speichert.
Ab September sind wieder rund 100 verschiedene Sorten von Kürbissen im Hofladen zu erstehen.
© Kürbishof Hagenau
Wo einst Omas Wohnstube war, bietet der Hofladen unzählige Produkte aus eigenem Anbau.
© Kürbishof Hagenau
Auf die Frage, ob er es bislang jemals bereut habe, sich im Nebenerwerb selbstständig gemacht zu haben, muss Robert Gühne nicht lange überlegen. Klar ist es ein Ärgernis, wenn die Kunden zu rund 25 Prozent nicht das in die Kasse des Vertrauens legen, was die ausgezeichneten Produkte Wert sind. Auch die Bürokratie erschwert ihm oftmals das Leben und fordert eine nicht zu unterschätzende Zeit am Schreibtisch. Allerdings ist das Herzblut für den Kürbis und die anderen selbst angebauten Produkte einfach zu groß. Er macht es mit Liebe, und das kann man tatsächlich schmecken.
Diese Chance bietet sich entweder im Hofladen, der an sieben Tagen in der Woche jeweils von 7 bis 20 Uhr geöffnet ist, oder auf Festen und Märkten der Region – egal ob Kürbismarkt in Seehausen, Flohmärkten oder dem Bauernmarkt in Steinfeld. Sogar bis zum Weinfest nach Rathenow oder dem Halloweentag bei Möbel Höffner in Magdeburg ist der Kürbishof mit seinen Produkten vertreten.
Der Kürbis ist gleichzeitig Obst und Gemüse – sozusagen eine Gemüsepflanze mit oberirdisch wachsenden Früchten. Er entsteht aus befruchteten Blüten, wächst aber am Boden. Der Kürbis ist ein Fruchtgemüse, so wie Paprika, Tomaten und Gurken.