Harz
Von Marone bis Champignon
So vermeiden Sie Fehler bei der Pilzsuche im Oberharz: Welche Arten wo zu finden sind. Für viele Harzer und Touristen ist der Herbst eine gute Zeit zum Pilze sammeln: Welche Arten im Oberharz gefunden werden können, was für Tipps es dabei zu beachten gilt und welche Fehler gemacht werden, verrät eine Pilzberaterin aus Allrode.
Ein Beitrag von
Matthias Distler
Die Herbstzeit bietet eine gute Gelegenheit, Pilze zu sammeln. Worauf man dabei achten muss, welche Fehler gemacht werden können und welche Arten aktuell zu finden sind, darüber klärt Pilzberaterin Gabriele Dietrich im Gespräch mit Volksstimme-Reporter Matthias Distler auf.
Volksstimme: Welche Gebiete im Oberharz eignen sich am besten für Pilzsammler?
Gabriele Dietrich: Hierzu gibt es keine pauschale Antwort. Abhängig von der Jahreszeit, den Wetterbedingungen und den gewünschten Pilzarten ist das Gebiet sehr unterschiedlich auszuwählen. So sind im Frühjahr Auwälder sehr interessant oder aber alle feuchten Niederungen und alte Streuobstwiesen oder Holzlagerplätze. Im Frühsommer bis Hochsommer alte Buchen- und Eichenbestände mit wenig Unterbewuchs.
Ab circa August beginnen Pilze im Nadelwald und auf den Wiesen mit wachsender Artenvielfalt zu erscheinen. Auszuschließen sind hier alle Douglasienbestände, hier gibt es erfahrungsgemäß kaum Pilze. Im Winter sind Buchen, Weiden, Pappeln sowie Holunderbüsche gute Ziele.
Was für Arten sind in den Gebieten zu finden?
Im Herbst sind das vor allem verschiedene Arten Steinpilze, Maronen, Rotfußröhrlinge, Birkenpilze, Rotkappen, Butterpilze, verschiedene Arten Reizker, Gelbfüße, Champignons, Nelkenschwindlinge, Herbsttrompeten, Schopftintlinge, Boviste, violette Rötelritterlinge.
Welche Tipps haben Sie für eine erfolgreiche und sichere Pilzsuche?
Dazu gehören die gute Beobachtung von Bewuchs und die Schlussfolgerung, die der Säuregrad und die Bodenbeschaffenheit zulassen. Heidelbeer-Bewuchs, ein saurer Boden in Kombination mit zum Beispiel Fichte schaffen etwa gute Bedingungen für Steinpilze. Magere Weiden ohne chemische Düngung bieten gute Bedingungen für Champignons.
Empfehlenswert ist zudem das Studieren guter Pilzliteratur. Auch Pilzwanderungen mit Pilzberatern und das Nachfragen bei diesen zu unbekannten Pilzen, unabhängig vom Speisewert, sind hilfreich. Wichtig ist auch die genaue Beobachtung der Fruchtkörper, eventuell mit einer Lupe.
Das Studieren guter Pilzliteratur kann hilfreich sein.
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Im Herbst wachsen Steinpilze und noch viele andere Sorten im Harz.
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Welchen Fehler machen Pilzsammler Ihrer Erfahrung nach am häufigsten?
Die Pilze werden abgeschnitten, was die Bestimmung auch für den Pilzberater teilweise unmöglich macht, für den Laien kann das lebensgefährlich sein. Es werden fast nur Pilze mit einem „Schwamm“ drunter gesammelt und andere wertvolle Lamellenpilze werden oft sogar zertreten, weil diese als „giftig“ angesehen werden. Mal abgesehen davon, dass dies verboten ist, sind Pilze wichtige Organismen im Naturkreislauf.
Ein weiterer Fehler ist das Sammeln ausschließlich im Herbst. Falsch ist auch, das Sammelgut in Plastiktaschen zu transportieren, was alleine unter Umständen schon zu einer falschen Pilzvergiftung führen kann, auch wenn die Pilze essbare Arten wären. Die Eiweißzersetzung setzt sofort ein. Körbe sind das beste Behältnis, alternativ geht auch ein Leinenbeutel oder Ähnliches.
„Einige sammeln auch mit Hilfe einer App, ohne weitere fachliche Beratung einzuholen. Gefährlich!“
- Gabriele Dietrich
Oft werden auch zu alte Exemplare eingesammelt oder es wird zuviel mitgenommen, der Richtwert ist circa zwei Kilogramm Frischpilze pro Person pro Tag. Unter anderem sind fast alle Röhrlinge geschützte Arten und dürfen nur in geringen Mengen gesammelt werden. Einige sammeln auch mit Hilfe einer App, ohne weitere fachliche Beratung einzuholen. Gefährlich!
Welche giftigen und gefährlichen Pilzen gibt es in Ihrem Gebiet? Und woran erkennt man diese?
Der Grüne Knollenblätterpilz ist tödlich giftig – wird aber oft mit Champignon verwechselt. Auch der Gifthäubling ist tödlich giftig – ein Doppelgänger von Stockschwämmchen. Der Karbolegerling ist stark magendarmgiftig und sieht genau aus wie ein Champignon.
Ebenso giftig für den Magendarm ist der Gerandetknollige Gartenriesenschirmling, dieser wird oft mit dem Parasol verwechselt. Der Kahle Krempling, der bis in die 1950er Jahre noch ein Marktpilz gewesen ist, gilt heute als tödlich giftig nach mehrmaligem Genuss. Das Erkennen ist hier nicht ausreichend zu erklären.
Was fasziniert Sie persönlich an der Pilzsuche und -bestimmung?
Die Vielfalt und das nie endende Kennenlernen neuer Arten. Es gibt immer neue Forschungsergebnisse über die Funktion der Pilze im Kreislauf der Natur. Dazu kommt der Aufenthalt in der Natur und die Schönheit der Pilze.