Halle / Saalekreis

Wenn der Herbst unter die Haut geht

Kürbisse, Fledermäuse und kleine Teufelchen: Wenn die Tage kürzer werden, zeichnet Tonia in Halle Halloween-Motive. Die 29-Jährige verbindet dabei Kunst und Handwerk in einem Beruf ohne klassischen Ausbildungsweg.

© Tonia

Ein Beitrag von
Keven Nau

Ein grinsender Teufel breitet seine Flügel aus, ein Skelett zeigt das Siegeszeichen und aus einem Sarg blickt ein Totenkopf hervor. Die Halloween-Entwürfe stammen von Antonia Schade, die als Tätowiererin unter dem Namen „Tonia“ arbeitet. Sie verbinden schaurige Motive mit verspieltem Humor. Noch liegen die Zeichnungen im Studio Inkerbell Tattoos in Halle auf einem Bogen. Später sollen einige davon einen Menschen dauerhaft begleiten.

Die 29-Jährige stammt aus Thüringen und zeichnete bereits als Kind Fantasiewelten und eigene Geschichten. Später besuchte sie Zeichenkurse, studierte Kunstgeschichte und arbeitete als Galerieassistentin und in einem Museum. Dort fehlte ihr jedoch die Möglichkeit, selbst kreativ zu sein. „Ich wollte etwas mit meinen Händen machen, eigenständig arbeiten und gleichzeitig mit Menschen zu tun haben“, erzählt sie. Da sie sich schon lange für Tätowierungen interessierte, begann sie, sich intensiver mit dem Beruf zu beschäftigen.

Nach ihrem Umzug nach Halle zeigte Tonia ihre Zeichenmappe einer Tätowiererin, deren Arbeiten ihr gefielen. Sie erhielt Zeichenaufgaben, übte auf Kunsthaut und stach sich später ihr erstes Tattoo. Danach folgten Freunde und Bekannte, bevor weitere Kundinnen und Kunden zu ihr kamen. Einen klassischen Ausbildungsweg mit Berufsschule und anerkanntem Abschluss gibt es nicht. Das Handwerk wird meist in den Studios vermittelt. „Irgendwann sagt dein Mentor oder deine Mentorin, dass du so weit bist – oder dass du dich noch weiterentwickeln musst“, erklärt sie.

Heute beginnt ihre Arbeit meist mit einem Gespräch. Einige Menschen kommen mit einer konkreten Vorstellung, andere bringen Beispielbilder oder eine erste Idee mit. Gemeinsam werden Motiv, Größe und Körperstelle besprochen. Anschließend entwickelt die Tätowiererin eine eigene Zeichnung. Ein kleiner Entwurf kann an einem Abend fertig sein, größere Arbeiten können mit Änderungen ein bis zwei Wochen beanspruchen. Erst wenn die Kundin oder der Kunde zufrieden ist, wird das Motiv auf die Haut übertragen. Neben Konzentration und einer ruhigen Hand brauche es vor allem Einfühlungsvermögen. „Du musst gut zuhören und verstehen, was die Menschen mit ihrem Tattoo ausdrücken möchten“, sagt Tonia.

Antonia Schade arbeitet unter dem Namen „Tonia“ im Studio Inkerbell Tattoos in Halle. Die 29-Jährige verbindet in ihrem Beruf zeichnerisches Können, handwerkliche Präzision und den persönlichen Austausch mit ihrer Kundschaft.
© Tonia

Kräftige Konturen, schwarze Flächen und feine Schattierungen prägen dieses von einer Tarotkarte inspirierte Motiv.
© Tonia

Zur Beratung gehört für die Wahlhallenserin auch, Wünsche zu hinterfragen oder abzulehnen. Statt Namen oder Geburtsdaten empfiehlt sie mitunter persönlichere Bilder, die an ein gemeinsames Erlebnis erinnern. Besonders jungen Menschen rät sie, Tattoos an sehr sichtbaren Stellen sorgfältig zu überdenken. Auch mit künstlicher Intelligenz erstellte Bilder übernimmt sie nicht unverändert. Häufig enthalten sie zu viele Einzelheiten oder lassen sich nicht sinnvoll an den Körper anpassen. Rechtsextreme und stark nationalistische Motive lehnt sie ab. Vertrauen und Hygiene seien ebenso wichtig wie das Ergebnis. „Man verkauft den Menschen nicht nur ein Tattoo, sondern auch ein Gefühl und eine Erfahrung.“

Tonias Stil hat sich über die Jahre verändert. Anfangs begeisterten sie Old-School-Motive mit kräftigen Konturen. Inzwischen arbeitet sie am liebsten in Schwarz und Grau. Starke Außenlinien, Schatten und grafische Elemente prägen ihre Entwürfe. Dazu passen ihre Halloween-Ideen mit Kürbissen, Hexen und Anspielungen auf Gruselfilme. „Man kann aus düsteren Motiven sehr gut kleine, witzige Tattoos machen“, sagt sie. Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Anerkennung und Grundstandards in der Branche. Einen starren Ausbildungsweg hält sie für ungeeignet, denn die künstlerische Entwicklung brauche Zeit und Begleitung. Zwischen Zeichenblock und Tätowiermaschine hat die gebürtige Thüringerin in Halle einen Beruf gefunden, der Kunst, Handwerk und Begegnungen mit Menschen verbindet.

© Tonia

Antonia Schade alias „Tonia“ Tätowiererin bei Inkerbell Tattoos

Studio:
Inkerbell Tattoos
Ludwig-Wucherer-Straße 76
06108 Halle (Saale)

Stil:
Überwiegend Schwarz-Grau mit kräftigen Konturen,
starken Kontrasten und grafischen Elementen

Terminvereinbarung:
Persönlich und digital über Instagram

Instagram:
@tonia_tattoos