Jerichower Land

Geheimnisvolle Nachtschwärmer - majestätische Überflieger

Antonia und Max aus dem Jerichower Land wollen ihre Begeisterung für Greifvögel weitergeben

Ein Beitrag von
Hendrik Reppin

Idyllisch liegt der Vierseitenhof im Rande von Grabow, einem Ortsteil der Stadt Möckern im Landkreis Jerichower Land. Doch so malerisch und gemütlich sah es vor zehn Jahren hier noch nicht aus. Damals übernahm Max den sehr heruntergewirtschafteten Bauernhof. Heute ist der Vierseitenhof in der Gegend als „Der Wolfshof“ bekannt. Denn seit sich der Einzelunternehmer nach Feierabend um den Hof kümmert, ist die tschechoslowakische  Wolfshündin Kira mit dabei. Längst ist der Wolfshof zum Zuhause für Frau und Kind geworden. Aber Max möchte den Hof auch zu einem Zuhause für Eulen und Greifvögel machen und die Faszination für die geheimnisvollen und majestätischen Vögel weitergeben.

Es sei vor zehn Jahren eher eine spontane Entscheidung gewesen, den alten Vierseitenhof in seinem Wohnort zu kaufen, erzählt Max über den Beginn seines eigenständigen Lebens. „Der Hof war sehr vernachlässigt worden und die Gebäude stark sanierungsbedürftig. Da musste eine Menge getan werden.“ Etwa zur gleichen Zeit gehörte ein Wolfshund-Welpe mit dazu. Fortan war beim Ausbau des Vierseitenhofs die Wolfshündin Kira immer mit dabei. „Ich bin hier in Grabow unweit des Hofes aufgewachsen. Ich wäre heute noch nicht so weit mit dem Ausbau, wenn ich nicht Unterstützung von Freunden und meiner Familie aus dem Ort bekommen hätte“, gesteht Max.

Das seit inzwischen 10 Jahren laufende Projekt „Wolfshof“ ist noch lange nicht abgeschlossen.
© @aufdemwolfshof

Antonia und Max mit Tochter Hilda und den Greifvögeln.
© @aufdemwolfshof

Ebenfalls immer präsent war das Hobby: die Jagd. 2019 erwarb er in der Jagdschule in Pretzien bei Schönebeck den Jagdschein. Seitdem arbeitet er ehrenamtlich als Dozent dort.

Schnell entdeckten Antonia und Max ihre gemeinsame Leidenschaft für Greifvögel. „Ich habe schon als Kind auf den Äckern rund um Grabow stundenlang Falken und Bussarde beobachtet“, so Max. „Ich war fasziniert von diesen Vögeln.“ 2021 habe er dann seinen Falknerschein bekommen.

Zu ihrem ersten Greifvogel seien sie eher zufällig gekommen. „Eigentlich waren wir unterwegs, um einen Wüstenbussard für die Jagd zu bekommen“, erzählt Antonia. „Sofort verliebt haben wir uns aber in eine Schleiereule, die sich frech auf unseren Kinderwagen gesetzt hat.“ Und dabei ist der Nachtvogel mit dem Namen Runa, den sie sich nach Grabow holten, ein echter Star. Schwarze Schleiereulen sind sehr selten. „Hinzu kam, dass Runa genauso alt ist, wie unsere Tochter Hilda. Da fiel die Entscheidung nicht schwer.“

Inzwischen gehört zur Familie auf dem Wolfshof auch ein Uhu, die größte europäische Eulenart, sowie ein Wüstenbussard, die in Europa am meisten genutzte Greifvogelart in der Falknerei.

Durch die Verbindung zur hiesigen Jägerschaft ist der Wolfshof auch schon zur Auffangstation für verletzte oder aufgefundene Greifvögel geworden. „In der Region gibt es nur wenige Anlaufstellen, wie Greifvögel aufgenommen werden können.“ So wurde in Grabow schon ein Turmfalke großgezogen und ein Sperber aufgepeppelt und ausgewildert.

Inzwischen ist das Wohnhaus fertig ausgebaut und nicht nur ein Heim für Max und Kira. Schon vor über drei Jahren begann auf dem Wolfshof das Familienleben mit Antonia und kurz darauf mit Tochter Hilda. Auch ein Seitentrakt mit Wohnräumen ist bereits fertig, und die Scheunen sind beräumt.

Schon sehr schnell erkannten Antonia und Max, dass sie ihre Begeisterung für die Tiere gerne an andere weitergeben würden. „Mit Kindern zu arbeiten, macht große Freude“, so Max. „Es ist spannend, wie Mädchen und Jungen auf Eulen reagieren.“ Nachdem sie die Genehmigung erteilt bekommen haben, besuchen sie in regelmäßigen Abständen Schulen und Kindergärten. „Angefangen hatte alles mit dem Besuch in der Kindereinrichtung im Ort. Schnell hat sich das rumgesprochen und wir bekamen viele weitere Anfragen. Selbst die Kreisstadt Burg hat bereits Interesse an solchen Besuchen signalisiert.“ Dennoch wollen Antonia und Max den Bereich überschaubar halten. „Wegen des Tierwohls wollen wir mit den Greifvögeln auf keinen Fall längere Strecken fahren.“

Dafür gibt es klare Vorstellungen von der Zukunft des Wolfshofs in Grabow: Nicht die typische Falknerei mit Vorführungen und Flugshow schwebt den beiden vor. „Wir könnten uns vorstellen, dass der Wolfshof zu einem Schulungshof für Kinder und Jugendliche wird. Zum Vierseitenhof gehört inzwischen ein etwa 10.000 Quadratmeter großer Garten. Auch dort könnten weitere Volieren stehen.“

Und Max blickt noch weiter in die Zukunft. Er stelle sich einen großen Anbau als Voliere vor, in dem exklusive Abende bei gedimmtem Licht mit interessierten Gästen und den geheimnisvollen Vögeln stattfinden. „Aber das sind Projekte, die noch in ferner Zukunft liegen“, geben Antonia und Max zu. Wer neugierig geworden ist und die Entwicklung des Wolfshofes verfolgen, den Alltag der Familie auf dem Wolfshof kennenlernen möchte kann das auf Instagram: Die Seite „aufdemwolfshof“ wird von Antonia und Max regelmäßig mit aktuellen Bildern, Texten und Videos bestückt.

Tochter Hilda und die seltene schwarze Schleiereule Runa sind im selben Jahr geboren.
© @aufdemwolfshof