Salzlandkreis

Maritime Vegetation dank tierischer Naturschützer

Auf einer unscheinbaren Wiese in Hecklingen gibt es ungeahnt spannende Flora und Fauna zu erleben. Eine Herde Konik-Pferde sorgt für die benötigte Ordnung im Chaos.

© Theresa Petzold

Ein Beitrag von
Jessica Seemann

Vom Weiten sieht sie aus wie eine ganz normale Wiese. In der Ferne sind Tiere zu erkennen, ein Elektrozaun begrenzt das Gebiet. Christiane Hönicke fährt soeben auf den angrenzenden Parkplatz mit einem großen, gefüllten Kanister auf ihrem Anhänger. Die studierte Biologin bringt frisches Wasser für die 11 Konik-Pferde, die hier weiden. Soweit alles ganz normal. Doch bei näherem Hinschauen erkennt man rasch: Dort in Hecklingen im Salzlandkreis wächst doch recht ungewöhnliches Kraut auf einer der bedeutendsten und wissenschaftlich am gründlichsten untersuchten Binnenlandsalzstellen Mitteleuropas.

Seit 2022 ist ein Teil des 35 Hektar großen Gebietes in den guten Händen der Primigenius gGmbH, einer Tochtergesellschaft des NABU, die sich auf Naturschutz- und Landschaftspflegeprojekte spezialisiert hat.

„Wir haben hier unter unseren Füßen mächtige Salzschichten“, erklärt Christiane Hönicke, die seit 2025 Geschäftsführerin der Primigenius gGmbH ist. „Wenn das Regenwasser in den Boden eindringt, entsteht eine Sole, die an manchen Stellen wieder an die Oberfläche tritt.“ Und dieser Umstand lässt hier eine besondere Vegetation entstehen. Hier findet man Insekten, aber auch Pflanzen, die man sonst eigentlich nur in Meeresnähe entdeckt.

Dietmar Spitzenberg kennt das Gebiet sehr gut.
© Jessica Seemann

Christiane Hönicke und Dietmar Spitzenberg versorgen die Konik-Pferde.
© Jessica Seemann

Christiane Hönicke bleibt kurz stehen und macht auf ein besonderes Pflänzchen zu ihren Füßen aufmerksam. „Das ist der sogenannte Queller“, berichtet sie und zeigt auf ein winziges, spargelähnliches Gewächs. Ein wundersamer kleiner Kerl, der aufgrund des hohen Salzgehalts im Boden schon gut gewürzt schmeckt. „Manchmal ist der Queller auch in Delikatessläden zu finden, aber hier wächst er einfach wild.“

Von Weitem stößt Dietmar Spitzenberg dazu. Heute dokumentiert er mit der Kamera die Entwicklung der Salzstelle. Der Werkzeugmacher im Ruhestand kümmert sich in seiner Freizeit  um die Salzstelle. „Ich wohne in Hecklingen“, berichtet der Ehrenamtler. „Ich kenne das Gebiet sehr gut.“ Und das merkt man: Sein Wissen um die Geschichte der Salzstelle ist umfangreich. „Leider hat es letzte Nacht geregnet, sonst könnte man jetzt sehr gut das Salz auf dem Boden erkennen, das aus dem Untergrund austritt“, erklärt er. „Die Vögel aus der Umgebung kommen hierher, um sich mit Salz zu versorgen.“

Für Herrn Spitzenberg ist es eine Passion. Für Christiane Hönicke und ihr Team ist er ein Segen. Und beide sind sich einig: Die Pferde sind die wahren Helden im hiesigen Arten- und Naturschutz. „Vor vier Jahren stand hier meterhoch das Schilf“, berichtet Hönicke. „Die Vegetation war dadurch sehr eintönig.

Da kamen unsere Pferde ins Spiel, die sich erst einmal durch das Gras gefressen und dafür gesorgt haben, dass weniger durchsetzungsfähige Pflanzen wieder stärker wachsen konnten.“ Gehalten werden die Konik-Pferde ganzjährig auf der Weide – ohne Stall, ohne Zufütterung und auch ohne Medikamente. „Wir haben großes Glück mit unseren Tieren“, berichtet die Naturschützerin. „Die polnische Rasse ist sehr pflegeleicht.“ Und zum Teil auch sehr zutraulich: „Eine Hälfte lässt sich streicheln, die andere Hälfte schaut nur neugierig und hält etwas Abstand“, lacht Hönicke.

Christiane Hönicke kommt ursprünglich aus Wittenberg, wohnt mittlerweile in der Nähe von Halle. Regelmäßig schaut sie in Hecklingen nach dem Rechten und bringt den Tieren Wasser. Das ist das Wichtigste, denn die salzigen Pflanzen mögen die Tiere zwar, Salzwasser wäre jedoch schädlich.

Die Biologin weiß: „Die Pferde machen hier den Hauptjob.“ Doch was genau bedeutet das eigentlich? „Unsere Weidetiere sind dafür zuständig, das Gras abzufressen“, erklärt sie. „Doch es ist nicht nur wichtig, was hineinkommt – die Tiere produzieren auch wertvollen Dung. Der wiederum ist Lebensraum verschiedener Insektenarten. In der normalen Landschaft haben wir kaum noch Pferdehaufen als Nahrungsquelle für Vögel. Unsere Ganzjahresweiden schließen diese Lücke. Zudem schaffen die Weidetiere mit ihren Hufen offene Bodenstellen, was ein wichtiger Faktor für Wildbienen ist.“

Das ist das Faszinierende und Elementare an einem Ökosystem: Alles hängt mit allem zusammen. Flora und Fauna suchen sich ihre eigenen Wege. Das kann man nicht im Labor nachbauen. Und genau deshalb ist Naturschutz so wichtig.

Der Queller wächst in besonders salzigen Gebieten. Er gilt als Delikatesse.
© Jessica Seemann

Die Primigenius gGmbH lädt gemeinsam mit dem NABU Regionalverband Köthen am 18. September 2026 um 18 Uhr zu einer Exkursion zu den Salzwiesen in Hecklingen.

Treffpunkt ist der Bauhof Ecke Gänsefurtherstr. / Birkenweg in 39444 Hecklingen.