Anhalt-Bitterfeld / Zerbst / Dessau
Wo die Natur den Speiseplan schreibt
Vom Feld direkt in die Kiste: Auf dem Bauernhof Zschoche in Repau bestimmen die Jahreszeiten den Speiseplan – regional, nachhaltig und nah an den Menschen.
Ein Beitrag von
Torsten Waschinski
Im Süden von Köthen, eingebettet in die Feldlandschaft des Südlichen Anhalts, liegt das Dorf Repau. Hier hat sich der Bauernhof Zschoche zu einem besonderen Ort entwickelt. Wer freitags vorbeikommt, findet keinen klassischen Hofladen. Stattdessen stehen eine Biergarnitur, eine Waage und eine Handkasse bereit. Das Gemüse kommt direkt vom Feld – oft nur wenige Stunden nach der Ernte.
Hinter dem Betrieb steht Martin Zschoche. Der 1990 in Köthen geborene Landwirt wuchs in Repau auf. Nach dem Abitur am Ludwigsgymnasium Köthen studierte er zunächst Maschinenbau an der Technischen Universität Ilmenau und schloss mit dem Master ab. Die Landwirtschaft ließ ihn jedoch nicht los. Deshalb absolvierte er ein weiteres Studium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Bayern. Dort vertiefte er sein Wissen über Landwirtschaft und ökologische Bewirtschaftungsformen. 2018 gründete er schließlich seinen eigenen Betrieb neben dem elterlichen Unternehmen.
Martin Zschoche auf seinen Gemüseflächen in Repau: Der Landwirt baut mehr als 50 Kulturen an und beliefert zahlreiche Kunden mit saisonalen Gemüsekisten.
© Torsten Waschinski
Im Folientunnel wachsen wärmeliebende Kulturen wie Auberginen. Mit geschütztem Anbau reagiert der Bauernhof Zschoche auf Wetterextreme und sichert die Ernten.
© Torsten Waschinski
Heute werden auf knapp 15 Hektar Fläche Getreide, Leguminosen, Gemüse, Kräuter, Beeren und Obst angebaut. Rund zweieinhalb Hektar dienen dem intensiven und regenerativen Obst- und Gemüseanbau. Mehr als 50 verschiedene Kulturen wachsen im Laufe eines Jahres auf den Flächen. Salate, Radieschen und Kohlrabi im Frühjahr, Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen und Kräuter im Sommer – die Vielfalt ist groß.
Das Herzstück des Hofes sind jedoch die Gemüsekisten. Für sie wird angebaut, geplant und geerntet. Jede Woche beginnt mit einem Blick auf die Beete. Was ist erntereif? Welche Kulturen haben gerade ihre beste Qualität erreicht? Erst danach wird entschieden, was in die Kisten kommt.
So erzählt jede Lieferung ein Stück Jahreszeit. Im Frühjahr landen Salate, Radieschen und Kohlrabi darin. Im Sommer folgen Gurken, Tomaten, Paprika und Kräuter. Im Herbst bestimmen Kohl, Rüben und Lagergemüse den Inhalt. „Wir gehen da auch sehr saisonal durch“, sagt Martin Zschoche. Die Natur gibt den Rhythmus vor.
Die Kisten werden in drei Größen angeboten und meist im Abonnement bezogen. Viele Kunden begleiten den Hof auf diese Weise durch die gesamte Saison. Dabei bleibt Raum für individuelle Wünsche. Wer besonders gern Gurken isst, bekommt mehr davon. Wer bestimmte Gemüsearten nicht verträgt, kann dies berücksichtigen lassen.
Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass zusätzliche Märkte kaum noch mit den vorhandenen Produkten beliefert werden können. Gleichzeitig schaffen die Abonnements Planungssicherheit. Kunden wissen, dass sie Woche für Woche frisches Gemüse direkt aus der Region erhalten.
Der Bauernhof Zschoche ist aber mehr als ein Produktionsort. Regelmäßig besuchen Kindergärten, Schulklassen und Projektgruppen die Anlage. Die jungen Gäste lernen Gemüse und Kräuter kennen, erkunden die Felder und bereiten gemeinsam Mahlzeiten zu. Oft zeigt sich dabei, wie viel Wissen über Lebensmittel noch vorhanden ist. Oregano wird mit Pizza verbunden, Thymian mit Hustensaft.
Bevor Salate, Kohl oder Kräuter geerntet werden können, beginnt alles mit der sorgfältigen Anzucht der jungen Pflanzen.
© Torsten Waschinski
Paprika ist eine von mehr als 50 Kulturen, die auf den Flächen des Bauernhofs Zschoche im Jahresverlauf angebaut werden.
© Torsten Waschinski
Auch auf den Feldern wird ein besonderer Weg verfolgt. Zwischen den Kulturen wachsen Bäume, Kräuter und Blühpflanzen. Rückzugsräume für Insekten bleiben bewusst erhalten. Marienkäfer, Florfliegen und andere Nützlinge finden hier Lebensraum. Die Natur soll nicht gegen die Landwirtschaft arbeiten, sondern gemeinsam mit ihr.
Selbst auf Wetterextreme reagiert der Hof mit eigenen Lösungen. Bäume spenden Schatten und bremsen den Wind. Folientunnel schützen empfindliche Kulturen. Bewässert wird über Tropfleitungen direkt an den Wurzeln. Statt über schwierige Bedingungen zu klagen, setzt Zschoche auf Anpassung. „Ich muss mich mitentwickeln“, sagt er.
Aus Gemüse, Kräutern und Beeren sind über die Jahre außerdem Kräutersalze, Teemischungen und Fruchtaufstriche entstanden. Verarbeitet wird, was auf den eigenen Flächen wächst.
Der Bauernhof Zschoche verbindet ökologische Landwirtschaft, regionale Vermarktung, Bildungsarbeit und Naturschutz.
Bauernhof Zschoche, Repau, Südliches Anhalt
Schwerpunkte: Ökologischer Anbau von Gemüse, Kräutern, Beeren und Obst; mehr als 50 Kulturen im Jahresverlauf; Gemüsekisten im Abonnement; Direktvermarktung ab Hof; Kräutersalze, Teemischungen und Fruchtaufstriche; Bildungsangebote für Kindergärten und Schulklassen.
Feldverkauf: Freitag: 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr
Besonderheit: Die Gemüsekisten werden saisonal mit dem befüllt, was gerade auf den Feldern in Repau wächst – regional, frisch und direkt vom Erzeuger.